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Was
versteht man unter dem Begriff Kunsttheorie? Es ist gar nicht
so sperrrig.Es hat damit zu tun, dass der zweibeinige Spießer
sich vom Affen zu unterscheiden hat.Wie macht er das? Indem
er etwas anderes macht als das, was jeder Affe kann.Was kann
der Affe nicht?
Theoretische Grundlagen:
Standortbestimmung
Eine Eingrenzung des modernen Kunstbegriffs
Kunst contra Reproduktion von Kunstgeschichte
Grenz- und Mosaiksteine, Wortfetzen,
Streiflichter, Schnappschüsse, Bekenntnisse
... aus meinem Alltag
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Standortbestimmung
`Warum ausgerechnet Maler?´ beantwortete V.v.Gogh lapidar mit `weil
es das ist, was ich am wenigsten schlecht mache´! Dem schließe ich
mich an mit `weil es das ist, was meinen persönlichen Abstand zum
Affen am größten macht.´ So und deswegen bin ich zum Bildermacher
aus Überzeugungstäterschaft geworden.
Warum nicht weitertanzen oder Klavierspielen? Weil ich Eigenkreativität
nur bildnerisch gestaltend und mit Worten sinnverdichtend ausleben
kann, und dieses ist es,was in der modernen Kunst Spreu vom Weizen
scheidet: nicht nachmachen, was andere vor-choreographiert oder
vor-komponiert haben, und was schon Kunst- Geschichte ist, sondern
etwas Neues, Eigenes ur-produzieren, aus sich selbst heraus (eben
Weltvermehrung im eigentlichsten Sinne streng nach M. Bense). Tatsächlich
stecken schon immer mindestens ¾ theoretische Vorarbeit in einem
Bild drin, bis ich Stift resp. Spraydose überhaupt erst zur Hand
nehme.) In diesem Sinne hat mein Leben Sinn in dem Maße, wie wenigstens
ein paar ordentliche Bilder von mir übrigbleiben bis ich tot bin.
Das ist mein persönlicher Maßstab und Gradmesser, alles andere nur
pseudokünstlerisches `Hans-Dampf-in-allen-Gassen-tum´und verflacht
nur das Niveau. (Als Hausfrau und Mutter bin ich nur halb so sehr
Überzeugungstäter wie in meinen Bildern.)
Warum ausgerechnet diese umständliche und zeitintensive Technik?
Weil nicht: Kunst = Kommerz, sondern l´art pour l´art um ihrer selbst,
soll heißen, ihres Inhalts willen. D.h. zwangsläufig, daß sich die
Technik nur am Inhalt orientieren darf und nur diesem zurechenbar
und auf diesen hin interpretierbar sein muß. Ich produziere nur
einzelne und handgemachte, positive Originale für Inhalte, nicht
Druckstöcke für Auflagen.
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Eine
Eingrenzung des modernen Kunstbegriffs:
Was ist Kunst heute?
Kunst ist nicht Reproduktion von Kunstgeschichte,
sondern Urproduktion von etwas Neuem, Eigenen das bis dahin
noch nicht dagewesen ist, déjà vu eben.
Was unterscheidet das Kunst-Schöne vom Natur-Schönen,
z.B. Sonnenuntergang?
Letzteres wird passiv vorgefunden, Ersteres ist aktiv
Menschen-Gemachtes.
Was ist dieses menschentypische an Kunst?
Der Intellekt, die Idee, das zielgerichtet Kreative.
Was unterscheidet Kunst vom Kunsthandwerk?
Das was den Pianisten vom Komponisten unterscheidet,
der Erstere spielt nach, der Letztere erschafft.
Warum
ausgerechnet naiv-surrealistische Bildgedichte?
Eine
Frage der Kunstgeschichte:
Die Bildende Kunst hat vor ca. 100 Jahren angefangen, sich vom
Gegenständlichen wegzubewegen, hin zum Impressionismus,
Expressionismus, Abstraktes und Moderne.
Jetzt 1998 ist die Zeit gekommen, sich auf das Gegenständliche
zurückzubesinnen, wenn auch unter anderen Bedingungen.
Heute sind Gegenstände Symbole für geistige Aussagen,
sozusagen
Sprache.
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Kunst contra Reproduktion von Kunstgeschichte
Als Ausgangspunkt mögen die Fragen dienen:
Was ist Kunst?
Gibt es objektive Kriterien für die Meßbarkeit Kunst-sein-sollender
Objekte?
Zunächst sei noch einmal kurz referiert, was als selbstverständlich
vor- ausgesetzt werden darf:
1. Ästhetik = griech. aisthesis = sinnliche Wahrnehmung, d.h. es
muß sich um Objekte - im weitesten Sinne - handeln, die sinnlich
erfahr-bar sind: Vertonung, Veranschaulichung, Versinnbildlichung,
Dichtung i.s. von verdichten von Sinn auf ein paar modellhaft anschauliche
Wort-Metaphern usw.
2. Ferner müssen diese Objekte den Intellekt des Menschen
ansprechen, indem sie dort einen irgendwie jedenfalls angenehmen
Zustand auslösen (Goethe: "Oh Augenblick verweile doch, du bist
so schön" ).
Bis zu diesem Punkt wäre jeder schöne Sonnenuntergang Kunst.
Und worin unterscheidet sich der Sonnenuntergang selbst von einem
Sonnenuntergang auf einem Abbild?
Oder anders gefragt, das Naturschöne vom Kunstschönen?
Nicht in der Schönheit, sondern in der Menschengemachtheit des letzteren.
Demnach ist ausschlaggebend für den Kunst-Charakter eines ästhetischen
Objekts seine typisch humanistische, nicht nur Wirkungs- sondern
auch Entstehungsweise.
Dieser theoretischen Komponente des Kunstwerks kommt notwendigerweise
in der modernen bildenden Kunst immer breiterer Raum zu, da seit
dem Abstraktwerden dieser Ausprägung von Kunst der Betrachter mit
Einem sinnlichen und einem abstrahierenden Auge "sehen"
muss.
In früheren Epochen, noch bis zum Einsetzen der ersten Impressionisten,
etwa van Gogh, 1853-1890, genügte hier ein ganz primitiver, von
jedem Laien handhabbarer Maßstab, nämlich Übereinstimmung des abgebildeten
Gegenstandes mit dem Gegenstand selbst; bei Nichtübereinstimmung
beherrschte der Künstler augenscheinlich sein Handwerk nicht. Auch
wurde im Mittelalter und bei den alten Ägyptern Malerei regelrecht
gelernt als Handwerk; im französischen heißt l`artisan Handwerker,
sprich Handwerker bar jeder intellektuellen Kreativität, bis zum
heutigen Tag.
Und was genau heißt in diesem Sinne Abstraktion (ab = lat. Weg von,
ab; trahere = lat. ziehen)? Abziehen, Aufmerksamkeit abziehen
von der Geständlichkeit des betrachteten Gebildes und es statt dessen
vor seinem sogenannten "geistigen" Auge in seinen spezifischen historischen
Zusammenhang stellen. Damit soll Plagiat, Kopie, Repro oder sonstige
Nachahmung nicht selbst Kunst sein dürfen, hat aber notwendigerweise
nur dasjenige noch als Kunst im eigentlichen Sinne Daseinsberechtigung
und Bestand, was zumindest in der Summe seiner Teile vorher noch
nicht da war, also produziert im Sinne von aus dem Nichts
kreiert und nicht reproduziert - überhaupt erstmals gemacht,
nicht nachgemacht wurde.
Anzumerken zu dem fundamentalen Unterschied zwischen produzieren
und (im Grunde bloß) reproduzieren in der Kunst wäre etwa, dass
sich Glenn Gould, obwohl weltweit gefeierter Pianist, sein Leben
lang danach verzehrte, nicht nur Kompositionen nachzuspielen,
die andere produziert hatten, sondern unbedingt seine eigene Symphonie
(er-)schaffen wollte; auch der alte Horowitz hat in einem seiner
letzten Interviews mal auf die Frage, warum er das Komponieren aufgegeben
habe, nur wegwerfend geantwortet: "altmodisch" (wortwörtlich, trotz
englisch gestellter Frage!), wohl weil er "seine" Kompositionen
mehr für Mozart-Nachahmungen hielt, als für etwas Neues, wirklich
Eigenes. (Zu dieser Kunstauffassung vgl. Max Bense, z.B. "Zivilisation
und Kunst" in "Das Weltbild unserer Zeit", Hrsg.: Arbeitsgemeinschaft
sozialdemokratischer Akademiker 1954.)
Ein weiteres Argument dafür, dass sich jedenfalls die moderne Kunst
zumindest nicht mehr in Reproduktion von Dagewesenem erschöpfen
darf, mag folgende Ausgangsposition / Fragestellung sein:
Was unterscheidet den Menschen letztendlich vom Tier?
Kultur und Zivilisation.
Und welches sind die tragenden Säulen unserer Kultur und Zivilisation
(wenigstens für diejenigen von uns, die sich nicht nur qua Zweibeinigkeit
Mensch nennen)?
Die vier Kultureigenschaften
Wissenschaft und Forschung.
Bewußter Altruismus von Mutter Theresa bis Greenpeace.
Kunst und Ästhetik.
Philosophie inter- und überdisziplinär als Liebe zur Erkenntnis
schlechthin.
Wer auch ein kleinwenig darüber im Bilde ist, auf welch hohem Niveau
sich heute Wissenschaft und Forschung bewegen, der muß auch in der
zeitgenössischen Kunst ein gewisses Format beanspruchen, andern-
falls erniedrigt er sie auf Kinderzimmerdekoration und Tapetenersatz,
bestenfalls unentschuldbare höhere-Töchter-Blümchen-Aquarelle, und
andere Peinlichkeiten mehr. (Hierzu vgl. etwa Werner Heisenberg
"Ordnung der Wirklichkeit" 1942, insbesondere "II. Die Goethe´schen
Bereiche der Wirklichkeit".)
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Grenz- und Mosaiksteine, Wortfetzen, Streiflichter,
Schnappschüsse, Bekennt- nisse
... aus meinem Alltag:
... erst und immer das Wichtigste an einen sicheren Ort retten,
das Kunstschäfchen ins Trockene bringen geht nur nachts, alles andere
eigenmächtig Aufdringliche drängt sich schamlos von selbst vor.
Elementar und produktiv sein eben, wozu dann der ganze eigentlich
störende exhibitionistiche Rummel einer Ausstellung? Antwort: als
Glaubwürdigkeitsbeweis notwendig. Also: in erster Linie leben dafür,
wo schon nicht davon. Einen Presseverriß riskieren muß man eben...
...Kunst und Mutterschaft? Kunst kann niemals Hobby sein, also ist
und bleibt Mutterschaft Pflicht bis zur ultimativen Pflichtenkollision
(ohne ein Team von mittlerweile gleich zwei Vertrauensärzten und
JA kann ich es aus eigener Kraft nicht mehr. Ich entwickle Gepardinnenqualitäten,
so ich überleben will, denn die schleichende Zwangsverspießerung
brandet an allen Fronten an).
...eines meiner Stoßgebete von O. Loerke... "An die Grundmächte"
...es schweigt die Weide/wenn man zur Flöte sie schneidet und sie
schält./Doch dass ich leide und nicht meutere/und was ich mir draus
läutere/zum Zwiegespräch mit euch/es zählt.
...zufälliger Blick in den Spiegel beim Abstauben und Rilke wiederaufersteht:
oh sein Gesicht war diese ganze Weite, die jetzt noch zu ihm will
und um ihn wirbt/ und es ist zart und offen wie die Innenseite,
von einer Frucht, die an der Luft verdirbt.(aus"Der Tod des Dichters).
...zu Kunst und Hobbyistentum: sicher, ohne Talent keine Kunst;
aber Kunst kommt von Können, nicht von Talent. Könnertum ist immer
erst das, was einer aus seiner produktiven Phantasie macht, begabte
Dilettanten gibt es wie Sand am Meer. Talent ist zwar conditio sine
qua non, aber die überaus meiste Zeit eine sehr anstrengende Gnade...
...Sinn und Zweck (u.a.) der Kunst? Abstand vom Affen schaffen,
die Kerle folgen uns mit weniger als 2% genetischer Differenz! Sein
Dasein nicht nur als Geborenwordener und Großgefüttertwordener fristen
sondern als sich selbst Konstituierender sein Menschsein - Rechtfertigender!
...mein geliebter Tanz...als ich nach der Bühnenreife damit aufhörte
(es war ein nachgeholter Kindheitstraum aber ich kann nicht auf
zwei Hochzeiten tanzen und von jedwedem Hansdampf-in-allen-Gassen-tum
halte ich gar nichts) war es die reinste geistige Abtreibung, ein
totaler Identitätsabbruch, wie Verrat... summa summarum habe ich
dort aber nur Vorges-Tanztes (Vorchoreographier-tes) nachgetanzt
wie der Pianist die Noten anderer nachspielt. Wiederaufwärmen von
Kunstgeschichte eben nur.
...Hurra! Nicht davon leben sondern dafür! Rentner versorgen und
Kind aufziehen kostet auch mich nicht nur Naturalien. Mehr als meine
Selbstkosten wenigstens rausholen muß auch ich irgendwann mal, nach
Möglichkeit noch in diesem Leben. Der geistige Luxus, Kunst machen
zu können, ist teuer genug.
...zur Theorie: endlich geschafft! Nach jahrelangem Puzzeln fällt
mir doch noch der letzte Mosaikstein zur bildlichen Zusammenfassung
der Kant`schen transzendentalen Ästhetik ein! ...Übrigens beim Kaminrichten
grade, da ist der Konrad Lorenz gleich nebenan im Bücherregal (Rückseite
des Spiegels).
...Die ewige Nachtarbeit. Insbesondere im Winter fürchte ich mich
oft davor. Fühle mich wie lichtscheues Gesindel und kriege Gewissensbisse
und Gemüts- Verdüsterung davon: mit welchem Recht und so dezidiert
aus der Reihe tanzen? Sicher, ich habe meinen 16-18-Stundentag aber
keinen Gehaltsscheck am Ende des Monats, darf ich das eigentlich?
Ja, ich muß wohl, es ist Überzeugungstäterschaft mit allem Stigma
des Lebensausreders und Drückebergers und Anerkennung nur in homöopathischer
Verdünnung...aber von welchen Autotitäten dann! Goethe "hast du
den Besten deiner Zeit genug getan..."
...das Exaltierte, ewig Übersensible immer. Man kann es ja nicht
abstellen. Es ist im Alltag wie Herumfuhrwerken mit den ganzen sieben
Oktaven meines Flügels: der normale Straßenverkehr ist halt auf
drei bis vier Oktaven zugeschnitten, so kommt es zwangsläufig zu
Deformierungen an den Èxtrem-ität-en ünd man braucht hin und wieder
ein paar Tage in der Nervenklinik, um sich kurz in Watte packen
zu lassen.
...was, die will Kunst machen? Ist doch bloß schöngeistige Flause
oder Angeberei mit exquisitem Steckenpferd, Wichtigtuerei usw.....
Arbeit ist für die Spießer- mehrheit ausschließlich das, was man
haarklein in Mark und Heller abzählen kann, da herrscht Konsens
(und Neid). Es grenzt schon gelegentlich an Mobbing.Aber Kunst ist
in der Tat schwer messbar: jede Striptease-Animeuse ist tödlich
beleidigt, wenn man sie nicht als Künstlerin anspricht und am anderen
Ende der Skala reichen sich dann Beethoven und Rabhindranat-Tagore
die Hände...? ... ... ...
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